Dienstag, 27. Dezember 2011

Graff bleibt politisch

Nun wird es etwas paradox - denn hauptsächlich geht es mir in diesem Post darum, Graffiti (im weiteren Sinne) vorzustellen, welche auf der inhaltlichen Ebene Farbe bekennen (dabei aber oft stilistisch nicht unbedingt ihrer Zeit voraus sind). Denn ich mag die Kritzeleien, das manchmal unbeholfen Anprangernde an unvorhersehbaren Stellen, das Verbalradikale.

Andererseits vertrete ich gerne und überzeugt die Meinung, dass Graffiti immer auch eine politische Dimension hat, längst natürlich nicht ausschließlich auf einer inhaltlichen Ebene.

Aber allein die Wahl der Mittel zur Intervention im öffentlichen Raum (sei es, Graues bunt zu machen; Spuren mittels einer selbst erwählten Identität zu hinterlassen; der Kommerzialsierung des öffentlichen Raumes unkommerzielle Kulturzeichen entgegenzusetzen; ...) ist politisches Handeln, da es illegalisiert wird, Eigentumsverhältnisse in Frage stellt und Repression nach sich zieht.

Politik in diesem Sinne, ist natürlich keine Parteipolitik. Das wäre ja auch eher anstrengend, wenn die Wahlkämpfe an der nächsten Hall of Fame ausgetragen würden (by the way: in Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern ist per Pinsel und Farbrolle an alle möglichen Wände aufgebrachte Wahlwerbung üblich).

Natürlich hat eigentlich alles eine politische Dimension, und dies losgelöst von Parteipolitik zu betrachten finde ich insofern spannend, als dass immer Standpunkte und Perspektiven sichtbar werden.

"Graffiti ist unpolitisch", schallt es mir schon wieder entgegen. Die politische Aussage dieser Meinung besteht in meinen Augen darin, gesellschaftliche Verhältnisse auszublenden, in denen bestimmte Kunst und Kultur kommerziell genutzt und etabliert ist, andere Kunst und Kultur hingegen abgewertet, verboten und verfolgt wird.

Ein Missverständnis liegt sicher in Begriflichkeiten. Mir erscheint folgende Begriffsdefinition hilfreich:
"Graffiti (Einzahl Graffito) ist ein Oberbegriff für viele thematisch und gestalterisch unterschiedliche Erscheinungsformen. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es sich um visuell wahrnehmbare Elemente handelt, welche "ungefragt" und meist anonym, von Einzelpersonen oder Gruppen auf fremden oder in öffentlicher Verwaltung befindlichen Oberflächen angebracht werden." Norbert Siegl (http://www.graffitieuropa.org/definition1.htm)
Graffiti ist demnach viel älter als das Stylewriting und all die Leute die glauben, organisierte Linksextremisten kämen, um das "unpolitische Stylewriting" nun mit solchen Buchstabenkombinationen wie Antifa zu missbrauchen, haben anscheinend ein anderes Verständnis von der Entwicklungsgeschichte des Graffiti. Die politische Parole an der Hauswand ist doch etwas älter als "Wild Style"...

Was nun das Stylewriting angeht, ist dies eine bestimmte Ausdrucksform, die für mich auch immer ein politisches Statement ist, wenn sie illegal an die Wand gebracht wird. Wer Kunst ohne diese politische Aussage machen will, malt Leinwände und behält diese zu Hause oder hängt sie in Galerien und verkauft sie. (Aber ist es nicht selbst dann politisch, weil man sich ja explizit gegen Kunst im öffentlichen Raum entscheidet, und somit den gesellschaftlichen Konsens von anerkannter und illegaler Kunst mit trägt?)

Genug abgeschwiffen, hier kommt nun das Grauen der StylewriterInnen und ÄsthetInnen - die klare politische Aussage, mittels Graffiti: von der Parole über Stencils bis hin zu Postern. Gerade einige Parolen dürften schon etwas älter sein. Fotografiert hat der passant alles in Frankfurt.






























1 Kommentar:

  1. Wählt KPD
    http://de.indymedia.org/2002/12/35886.shtml
    Fundsache von 2002

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