Sonntag, 23. November 2014

Under Art Construction geht wohl weiter...

Lange haben die vielen hochkarätigen Werke der Urban-Art-Galerie am Bauzuan der Europäischen Zentralbank (EZB) viele Frankfurter*innen und Besucher*innen begeistert. Während der Bauphase standen verschiedene Bausegmente des Zauns zur künstlerischen Gestaltung. Sehr schön, dass auch Banken keine Kosten und Mühen gescheut haben, junge Künstler*innen großzügig zu fördern. Der ein oder die Andere hat dies durchaus auch zu subtiler Kritik an Teilbereichen der Bankpolitik genutzt. Enorm, dass sich so eine Bank mit dem Zurverfügungstellen der Flächen das Risiko einer Bloßstellung ihrer Politik eingeht.
Mit der Fertigstellung des Neubaus sind die Graffitiflächen verschwunden - kein Wunder, mögen Zyniker*innen denken, wenn es ernst wird, will man kein Risiko eingehen. Doch es kommt wohl anders als gedacht...

...denn natürlich haben auch Banker*innen Herz und Verstand. Kunstverstand natürlich. Deshalb ist es am Ende auch nicht so verwunderlich, dass die Banker*innen durchaus den künstlerischen und nicht zuletzt auch anlageperspektivischen Wert der Urban Art erkannt haben, deren Urheber*innen heute noch verfolgt werden, deren Kunst aber den Gang durch die Galerien in die Museen unweigerlich gehen wird. Es ist schließlich die Aufgabe von Banken, Spekulationsobjekte zu identifizieren, wenn der Investitionswert gering ist.
Deshalb ist die logische Konsequenz eingetreten, dass die Europäische Zentralbank nun entgegen erster Planungen weiterhin legale Flächen für alle möglichen Künstler*innen öffnet. Ganz im Sinne der Tradition von der den Banken im Allgemeinen ganz eigenen Transparenz und Offenheit, sind die Flächen jetzt wohl direkt an das Gebäude verlegt worden. So wie es aussieht, stehen die kompletten unteren Stockwerke zur Verfügung.
In einem Happening ist am gestrigen Samstag die Freigabe erfolgt. Künstlerisch wurde ein minimalistischer Ansatz gewählt. Das Werk entfaltet aber insbesondere zur eher tristen Gestaltung des Geländes eine durchaus beeindruckende Wirkung (manch ein Bauzaun wirkte dagegen im Rückblick geradezu hemmungslos überladen) und wird geschickt ergänzt durch die gespiegelte Szenerie des Ostends, ein Stadtteil der derzeit noch sympathisch wirkt. Die Künstler*innen von gestern spielen mit ihrer graphischen Installation - denn das, was sich in der Fassade spiegelt ist noch Realität, aber in der Spiegelung doch nicht real. Und es wird auch nicht real bleiben, weil die EZB das Gesicht des Ostends ganz neu stylen wird. Und damit wohl auch unweigerlich die sozialen Verhältnisse.
Allerdings sind wohl schon die nächsten Events geplant, da bereits heute schon wieder Finissage der ersten Runde war. Spannend wird es, welche Events zur Eröffnung im März 2015 und bis dahin auf uns warten.

Mehr: http://blockupy.org/


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