Freitag, 6. März 2015

Erfurt hat ein Luxus-Problem

Local Times Erfurt hatte sich mit Luxus, wohl einem der kontroversesten Maler in Erfurt unterhalten. Hier der erste Ausschnitt:

"Die Graffiti von Luxus sind überall in der Stadt zu finden. Mal sind es Tags, dann wieder aufwendige Pieces oder auch schnelle Throw-Ups. Mal sind sie unsauber und kraklig, dann wieder kunstvoll und aufwendig. Häufig sind ihnen kleine Statements beigefügt: „Luxus für alle“ steht dann da an der Fassade der Deutschen Bank. Oder auch „Wir kotzen vor Luxus“. 
Local Times sprach mit Luxus über Graffiti in Erfurt." 

LTE: Wann und warum hast du angefangen Graffiti zu malen? 

Das war einige Zeit nach der Räumung des Besetzten Hauses. Damit hatte ich mich damals politisiert. Ich war frustriert und habe nach Wegen gesucht, das auszudrücken. Irgendwann, so 2011 schätze ich, habe ich festgestellt, dass die Dose da ein ganz gutes Medium ist, mit dem man auch viele Leute erreichen kann. Mit Freunden haben wir damals eine Crew gegründet und ich habe angefangen den Namen zu malen.

„Luxus Problem“ oder „Wir kotzen vor Luxus“ heißt es in deinen Graffiti. Das sind also immer politische Statements? 

Ja durchaus. Ich empfinde überhaupt die Verfolgung von Graffiti als riesiges Luxus-Problem. In dieser Wohlstandsgesellschaft haben die meisten Menschen gar keine richtigen Probleme mehr und steigern sich dann in solche Sachen wie Graffiti rein.

Graffiti wird in unserer Gesellschaft in erster Linie als Sachbeschädigung verstanden. Der künstlerische Aspekt fällt häufig unter den Tisch. Was ist es denn für dich?
Am Anfang war es ehrlich gesagt genau das. Es ging darum etwas kaputt zu machen. Ich habe auch nie groß geübt, um dann etwas Schönes zu malen. Aber inzwischen ist daraus für mich so etwas wie Kunst geworden. Mit meinen eigenwilligen, doch stets steigenden Skills, kam dann irgendwann auch eine Ästhetik dazu. Aber in erster Linie bleibt es für mich ein politischer Akt der Zerstörung.

Seit 2011 ist nun schon einig Zeit ins Land gegangen, warum machst du weiter? 
Die Probleme, die mich damals dazu beflügelt haben damit anzufangen, sind immer noch da und Graffiti ist ein guter Weg damit umzugehen, ohne dass ich jemanden weh tue. Aber ich gebe auch zu: der Kick, den man dabei empfindet, macht süchtig.

Sprechen wir mal über Erfurt. Im Vergleich zu anderen Städten wirkt Erfurt verhältnismäßig sauber, oder?
Ja das stimmt. Es ist viel zu sauber und hat schon fast die Optik von einem Krankenhaus. Man kann nach Erfurt fahren, um hier einzukaufen, aber man kann hier nicht leben. Ich habe ehrlich gesagt noch nie den Reiz verstanden, eine weiße Wand anzuschauen. Dem möchte ich entgegenwirken und das ist auch in der Szene nicht immer sonderlich beliebt. Denn ich hatte nie den Anspruch saubere Graffiti zu malen, es ging immer darum Schmutz dahin zu bringen, wo er nicht willkommen ist.

Weiter auf LTE

Kommentare:

  1. "Man kann nach Erfurt fahren, um hier einzukaufen, aber man kann hier nicht leben."

    Na dann Tschaui!

    AntwortenLöschen
  2. interview mit luxus... ganz im ernst schämt ihr euch nicht?

    AntwortenLöschen