Donnerstag, 28. Januar 2016

Kreative Sprayer gesucht und der Wert kreativer Arbeit

Betreff: Ausschreibung SWE Netz GmbH
Bis zum 31. Januar 2016 können sie ihre Entwürfe bei der SWE Netz GmbH einreichen. „Es gilt nicht nur, die Spraydose zu zücken, sondern auch, den künstlerischen Aspekt auch mit den Interessen der Stadtwerke Erfurt unter einen Hut zu bringen“, sagt Hanno Rupp, Leiter Technik Stromnetz der SWE Netz GmbH, der den Wettbewerb gemeinsam mit Erfurts Kulturlotse Dietmar Schwerdt ins Leben gerufen hat.
„Wir wünschen uns eine Gestaltung rund um die Energietechnik. Alles von Energie, Hochspannung, Energiewende und Elektrotechnik bis hin zum Thema moderne und zukunftsfähige Stadt“, so Hanno Rupp. „Wir übernehmen die Materialkosten und legen als Prämie noch 1.000 Euro für den besten Entwurf drauf“, erklärt er. Bis Ende Februar entscheidet eine Jury, welcher Entwurf umgesetzt werden soll. Die Neugestaltung soll im Frühjahr erfolgen.
Die  Wand am Umspannwerk Melchendorf ist nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Leben zu füllen: Insgesamt beläuft sich die Fläche auf etwa 280 m² (eine Wand: 56 m x 5 m = 280 m²). Mit der Teilnahme am Wettbewerb erklären sich alle Sprayer mit einer Veröffentlichung inklusive Fotos, einschließlich Facebook, einverstanden. Weitere Informationen zum Wettbewerb gibt es bei Hanno Rupp, E-Mail: hanno.rupp(at)stadtwerke-erfurt.de oder bei Dietmar Schwerdt, Kulturlotse der Stadt Erfurt, E-Mail: kulturlotse(at)erfurt.de.
Link:
http://www.erfurt.de/ef/de/service/aktuelles/am/2016/123439.html

SWE FB Video:
https://www.facebook.com/SWEErfurt/videos/850710105038409/
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Soweit der Ausschreibungtext. Wir versuchen das ganze mal zu übersetzen und einzuordnen. Die SWE Stadtwerke Erfurt machen eine Ausschreibung bei der der KünstlerIn sage und schreibe 3,57€ pro Quadratmeter für die Gestaltung bekommt. In den 3,57€ pro qm sind Entwurfsarbeit,
Artikel aus dem SWE-Journal
Umsetzung, Projektkoordination und Zustimmung zur Verwendung der kreativen Arbeit (Dokumentation) für die Öffentlichkeitsarbeit der SWE Erfurt mit inbegriffen. Ein Glück, dass die Materialkosten nicht auch noch in den 1000€ mitinbegriffen sind. Erwartet wird von der SWE keine freie Gestaltung sondern „Alles von Energie, Hochspannung, Energiewende und Elektrotechnik bis hin zum Thema moderne und zukunftsfähige Stadt“ - eine klassische Auftragsarbeit also.

Im Prinzip ist diese Ausschreibung betriebswirtschaftlich clever. Eine Malerfirma würde allein für das einfarbige Grundieren bzw. Streichen der 280qm sicher mehr als 1000€ verlangen. Zum anderen umschiffen die SWE so die Frage, die sich u.a. nach dem Graffitiforum 2015, gestellt hat: Wieso wurden dann alle bisherigen Aufträge (ohne Ausschreibung!?) an den StadtbildGraffiti e.V. aka. Dieter Hennig vergeben? Was uns zu der spannenden Frage führt: hat Dieter Hennig Stromkästen und diverse andere Umspann ect.- SWE Häuschen etwa für 3,57€ zzgl. Materialkosten bemalt? Das wäre preislich unschlagbar und würde erklären warum kaum ein anderer KünstlerIn in Erfurt dererlei Aufträge durchführt. Besonders Aufträge für die SWE Stadtwerke Erfurt.
Ein möglicher qm Preis würde bei einer solchen Auftragsarbeit, je nach Aufwand, sicher zwischen 30 - 100€ pro qm liegen. Also je nach dem, wer das macht und wie der Aufwand (Motiv) im einzelnen zu bewerten ist. Über diese Preispanne, zugegeben Recht groß, lässt sich diskutieren - aber über 3.57€ pro qm nicht. Das ist für jeden KünstlerIn der in dem Bereich professionell arbeitet ein wirtschaftlicher Witz. Über das Materialgeld ein reelles Honorar zu erreichen, ist auch keine besonders originelle Lösung und wird dem Problem nicht gerecht.

Fazit: Der KünstlerIn bekommt (umgerechnet) also weniger als der Gerüstbauer der das Objekt zum Bemalen einrüstet, als der Maler der das grundiert, als der Mitarbeiter der SWE der das Projekt betreut, ist aber für das Endprodukt / Werk („Es gilt nicht nur, die Spraydose zu zücken, sondern auch, den künstlerischen Aspekt auch mit den Interessen der Stadtwerke Erfurt unter einen Hut zu bringen“) verantwortlich. Mit dem sich hinterher öffenltichkeits-wirksam präsentiert wird. Diese Ausschreibung ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Bei der, so unterstellen wir mal, bewusst professionelle Anbieter ferngehalten werden sollen um hinterher sagen zu können: Kein Grund an der alten Praxis etwas zu ändern.. wir haben es versucht und es hat keiner mitgemacht. Das zumindest ist ein Schluss der sich aus Form und Art der Ausschreibung ziehen lässt.
Ein Wunder das das Argument: „Aber der Künstler präsentiert sich doch damit und zieht damit die Öffentlichkeit auf sich - und das ist doch Entlohnung genug“ nicht auch noch angebracht wurde und gänzlich auf eine Prämie verzichtet wurde. Ein Argument, das auf andere Berufe oder Tätigkeitsfelder übertragen sofort als lächerlich entlarvt wird. Viel Spass dabei das im Alltag mal zu versuchen...

Trotz dieser Kritik möchten wir dazu aufrufen wenigstens Entwürfe, auch wenn es zeitlich knapp wird, einzureichen um die Post-Hennig Ära einzuläuten.


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UPDATE: Danke an Peter M. der uns einen Auszug aus dem SWE Magazin zur Verfügung gestellt hat. Aus dem geht hervor das am Anfang der Ausschreibung keine Prämie (Bezahlung der KünstlerIn) vorgesehen war. Dafür aber ein zweite kleiner Wand mit 25qm, die gratis mit gestaltet werden sollte. Grosses Kino - Danke SWE!


Kommentare:

  1. Ursprünglich war das Ganze sogar ohne Honorar ausgeschrieben, nur so als Randnotiz. Habe dazu noch einen Printartikel, kann gerne nachgereicht werden.

    Ich finde es schade, dass ihr zum Schluss doch noch aufruft, sich an so einer Art "Wettbewerb" zu beteiligen. Klar, es kann durchaus förderlich sein für den Ausführenden und dessen Marketing, macht sich aber gleichzeitig ja auch klein und lächerlich, hier für 1000€ das Ganze abgewickelt zu haben. Erinnert mich stark an die Pitches im Werbebereich, hier wird ja ähnlich agiert.

    Die Henning-Ära möchte ich auch nicht wieder sehen, allerdings lacht er sich bei der Wand sicherlich herzlichst einen rein. Er hat für jeden Stromkasten wahrscheinlich das Dreifache an Honorar erhalten bzw. hat ihn sogar malen lassen und den Rest / Löwenanteil in die eigene Tasche gesteckt.

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    1. Danke für den Hinweis. Den Printartikel nehmen wir gerne noch als Ergänzung (die.kollektive.offensive@gmail.com). Denn wenn das so ist wäre das noch übler als wir angenommen haben. Wegen des Aufrufes doch mitzumachen kann ich vielleicht noch ergänzen das wir es uns sparen wollten vor Ablauf des Wettbewerbes voll dagegen schiessen.. denn wenn niemand etwas einreicht.. bekommt Hennig, der wohl schon einen Entwurf wieder eingereicht hat, den Zuschlag und die SWE macht weiter wie bisher. Man könnte als Mitmacher überlegen: Wenn man gewinnt das ganze abzulehnen bzw. mit dem Hinweis auf - Nicht für das Geld! - bei der Jury (SWE), als Gewinner, auf das Problem aufmerksam machen. Damit das auch bei denen ankommt. Denn den Artikel werden die SWE wohl nicht lesen.
      Der Autor

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    2. Den Artikel lass ich euch zeitnah zukommen.
      Das Perfide ist ist der Fakt, dass es sich am Ende hier um eine klassische Auftragsarbeit handelt, da ja eine thematische Aufarbeitung ausdrücklich gewünscht ist.
      Für eine freie Wandarbeit mit Materialsponsoring und kleiner Prämie wäre es fast ein fairer Deal. Aber so leider nicht.

      Nach Rücksprache mit einem Malermeister wäre allein für die reine weiße Grundierung der Wand ohne große Extraaufarbeitung allein knapp 2400,00 Eur netto fällig.

      Aber ich kann den Prozess aber teilweise nachvollziehen, da der Kulturlotse involviert ist. Die Stadtwerke sind mit großer Wahrscheinlichkeit an ihn herangetreten und meinten "Ja, Dietmar - schau mal - haben hier eine Riesenwand, da können sich die Kreativen mal so richtig austoben."

      Und werten diese Freigabe ihrer Wand schon als großen Akt der Gütigkeit; da in Erfurt ja hier eh nach Wissen Mangel herrscht, so dass am Ende garkein realistischer Blick auf die enorme Arbeit bleibt - die dort dahinter stecken wird, keine Frage.

      Ich kann nur hoffen, das der oder die Gewinner sich adäquat in eine Handlungsposition begeben werden.
      Alles Andere wäre traurig. Susi hat da schon völligst Recht.

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  2. Susi Sorglos
    Dieser Wettbewerb der SWE Netz GmbH ist echt eine Frechheit gegenüber Euch Künstlern, in einer Arroganz, die nur noch dadurch überboten wird, dass man unterstellt, ihr wärt zu dumm, es zu durchschauen.
    Lasst Euch nicht gegeneinander ausspielen. Ihr habt die richtige Strategie gewählt. Transparenz bringt solche "Wettbewerbe" zum Erliegen.
    Peace

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  3. Als wenn die Stadt einfach mal ein Haufen Geld übrig hat. Was für Vorstellungen hier zu Tage getragen werden ist echt der Hammer. Ihr habt nicht nur in Sachen Kunst null Plan sonder auch in Wirtschaft. Klar 10.000 Euro wären besser.....ABER wer liefert auch dem entsprechend für das Geld. Ping Pong und Kollektive Anhänger sicher net...da müsste man noch drauf zahlen

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    1. Es ist nicht die Stadt sondern die SWE Erfurt. Zwar ein Kommunales Unternehmen.. aber ein eigenes Unternehmen das nicht über Probleme wie den Städtischen Haushalt verfügt. Den geht es ganz gut...
      Alles andere was du hier anführt ist einfach witzlos... da muss der Frust schon sehr tief sitzen um das alles so umzudeuten. 10.000€.....ping pong... und dko Anhänger und so ein scheiss kannst du dir sparen. Nichts davon steht in dem Beitrag. Wer so ein inhaltsleeren Müll schreibt " Ihr habt nicht nur in Sachen Kunst null Plan sonder auch in Wirtschaft" dem ist nicht mehr zu helfen. Also verzieh dich von dieser Internetseite!
      Ciao du hammer!

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  4. Einach mal die Fresse halten wenn man kein Plan hat! Und ja ihr habt eben erhebliche Defizite in Sachen Bildung. Aber was erwartet man von so einer selten beschränkten Generation! Probleme...nein dann geh weiter!

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  5. Hm.. also ich finde es schwierig, ich verstehe ja den Punkt dass es unfair ist wenn dieser Henning mehr für seine arbeit bekommt als jetzt die Gewinner von der ausschreibung aber ich muss sagen für mich ist das eine Menge geld. Das ist doppelt so viel wie ich normalerweise im Monat verdiene und dann bleibt sicher auch noch einiges an cans übrig. Ich halte es zwar für unwarscheinlich da zu gewinnen aber fals doch würde ich den Auftrag eigentlich schon gerne machen. Streikbrecher mag ich aber auch nicht sein, kann ja fast nur hoffen dass jemand anders gewinnt und stattdessen in der Zwickmühle landet.
    Anyway: ist ja nur ne legale wandgestaltung, Graffiti findet wo anders statt und dass man davon nicht leben kann ist für fast alle von uns eh realität.


    ps: Kunst kann man nicht kaufen!
    --> Kunst hat keinen wert : D

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  6. So einfach wie es sich der vorletzte Anonyme macht, ist es leider nicht.
    Und so herrlich ausfallend werden ... Respekt. Zum Thema zurück.
    1000€ wirken erstmal ganz anständig, wenn man vielleicht nur 1200€ für 160h Arbeit im Monat bekommt.

    Leider ist das im Osten ja auch traurige Realität, dass die Leute für gute Arbeit hier gerade mal über dem Mindestlohn rumkräpeln.

    Die Realität sieht allerdings anders aus.
    Allein eine Malerfirma kalkuliert den m2 hier für 8€.
    Da wären wir bei der Fläche allein bei knapp 2400€ netto. Und hätten gerade einmal eine weiße Wand für, ohne Design.
    Warum sollte also der Künstler, der ja automatisch auch noch die neue Versiegelung und "Neuanstrich" der Wand übernimmt, sich mit den 1000€ zufrieden geben?

    Der Künstler führt ja eine außerordentliche Leistung aus, die nicht jeder vollbringen kann. Hier wird ja keine Exceltabelle ausgefüllt, sondern eine kreative Leistung - die auch ordentlich gewürdigt werden sollte. Daher wirken 1000€ erstmal viel, sind es am Ende aber garnicht. Warum sich unter Wert verkaufen?

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  7. So Butter bei die Fische. Die Leute da sind ja net blöd, ok? Sie wissen was sich hier in Thüringen in der Graffiti Auftragsszene so tummelt....die paar bekannten sind viel zu teuer und haben eigtl auch nen anderen Vibe/Style als verlangt. So und nun kommts...da gibt man dann natürlich einen unbekannten Maler gleich tausende Euro? ....und Dosen und ne Mega Werbefläche...wollt ihr noch nen Blow Job dazu und das man euch den Rücken krault...Kids heutzutage!

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    1. yeah..butter und popcorn….
      1000€ die nicht versteuert werden… von den restdosen geht ich einkaufen und miete und so… easy.. der Entwurf für die läppischen 300qm ist doch in 5 min durch… und wenns bei der Umsetzung doch etwas schleift.. da 300qm doch etwas mehr sind und das alles irgendwie aufwendiger wird als gedacht..np… nehme ich die zweite linke hand und ab gehts… vielleicht hilfe holen.. ach ne dann muss man teilen.. überhaupt.. du gehts einkaufen und zahlst miete - Kapitalist!
      und volltoy weil Steuern?!?! bahhaabhaa
      moment… ?!?!??! junge… bei 5 Aufträgen im Monat sind das voll 5000€… voll viel… für nur 5 Wochen im Monat.
      Das mach ich auch.. viel zu teuer die anderen.. und können tun die auch nichts.. guck dir nur mal die ganzen Turnhallen und swe Aufträge an.. und die RWE dinger erstmal…
      ich fasse es nicht… hätte ich das alles und noch mehr vorher gewusst
      ….mynona heutzutage..lol

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    2. Klar ihr verdient auch sonst so alle um die 2500 auf die Kralle im Monat. Träumt ma weiter Kinder!

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  8. Für wen das eine "Mega Werbefläche" ist, sei mal dahingestellt. Für den Künstler eher weniger, er realisiert ja dort keine freie Arbeit. Er hat dann maximal eine schöne Referenz. Da sind die 1000€ und die Restdosen nichts Besonderes.

    Aber ein Blowjob wäre nicht verkehrt, übernimmst du das dann noch? Wir Kids von heute sind halt anspruchsvoller geworden, gelle.

    Großes Sorry!

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  9. Man könnte denken ihr seid die größten Kapitalisten, ganz schön ambivalente Aussage, aber im Kern sicher treffend. Im Endeffekt bringt es euch mal gar nix. Ob und von wem, das Ding wird farbig. Und am Ende hat man für eventuell 5 Tage Arbeit 1000 Euro usw. Und nicht zu vergessen das ihr eben mal die vollen Toyspasten seid....Gelle und größeres Sorry :D

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  10. http://blog-cdn.tattoodo.com/wp-content/uploads/2015/06/cheap-tattoos.jpg?89c56e

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